In der Uhr, im Smartphone oder im Elektroauto: Akkus, kurz für Akkumulatoren, begleiten uns ganz selbstverständlich im Alltag. Doch inzwischen werden sie immer größer und bedeutender für die Energieinfrastruktur.
Die Knopfzelle ist ein winziger Energiespeicher, etwa für die Uhr oder den Autoschlüssel. Der Akku im Smartphone ist etwas größer, aber immer noch klein genug für die Hosentasche und dabei so leistungsfähig, dass er mindestens einen Tag lang diverse digitale Kommunikation ermöglicht. Im Elektro-Auto wird aus dem kleinen Energiespender bereits ein zentraler Bestandteil des Fahrzeugs, und moderne E-Auto-Batterien speichern viele Kilowattstunden.
Ebenso relevant ist der Heimspeicher. Er kann beispielsweise Solarstrom vom eigenen Dach aufnehmen und ihn in den Abendstunden wieder abgeben. Damit wird aus der Batterie im Keller ein kleines Energiemanagementsystem. Doch dann kommt der Sprung: Großbatteriespeicher. Hier geht es nicht mehr um Kilowattstunden für einen einzelnen Haushalt, sondern um Megawatt Leistung und die Versorgung vieler Abnehmer.
Denn solange die Sonne kräftig scheint und der Wind günstig weht, kann mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, als zu dem Zeitpunkt benötigt wird. Umgekehrt kann diese sogenannte saubere Energie jedoch nicht genutzt werden, wenn die Bedingungen zur Stromerzeugung weniger günstig sind. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien wird deshalb eine Fähigkeit immer wichtiger: Flexibilität. Genau die wird durch die Großbatteriespeicher möglich.
Die Batterie wird zur Infrastruktur
Wie rasant sich diese Entwicklung vollzieht, zeigt der Blick auf den Weltmarkt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden 2025 weltweit rund 108 Gigawatt neue Batteriespeicherkapazität installiert. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat sich die weltweit installierte Kapazität seit 2021 mehr als verzehnfacht. Rund 80 Prozent des Zubaus entfielen 2025 bereits auf Großspeicher.
Dabei verändert sich auch die Funktion der Speicher. Während Batterien zunächst vor allem für schnelle Netzregelung eingesetzt wurden, geht es zunehmend darum, Strom zeitlich zu verschieben. Die erzeugte Energie wird länger gespeichert. Laut IEA entfielen 2025 bereits mehr als 90 Prozent der neuen Projekte auf diese Form des „Energy Shifting“. Auch die Speicherdauer nimmt zu. Die durchschnittliche Dauer neu in Betrieb genommener Projekte stieg laut IEA von rund zwei Stunden im Jahr 2023 auf etwa drei Stunden 2025. Gleichzeitig wächst die Zahl der Anlagen, die vier Stunden oder länger speichern können.
Deutschland holt auf
Auch hierzulande nimmt die Entwicklung Fahrt auf. Ende 2025 waren laut Bundesnetzagentur deutschlandweit bereits Großbatteriespeicher mit rund 2,4 Gigawatt Leistung und 3,2 Gigawattstunden nutzbarer Speicherkapazität in Betrieb. Als Großbatteriespeicher gelten dabei Anlagen mit einer Bruttoleistung von mehr als 999 Kilowatt.
Noch eindrucksvoller ist der Blick auf die Pipeline: Allein 2024 wurden in Deutschland 9.710 Anschlussanfragen für Batteriespeicher ab der Mittelspannungsebene gestellt. Die beantragten Anlagen kamen zusammen auf rund 400 Gigawatt Leistung und 661 Gigawattstunden Speicherkapazität. Die Zahlen sind zwar nicht mit tatsächlich realisierten Projekten gleichzusetzen, zeigen jedoch das große Interesse an dieser neuen Infrastruktur.
Auch die Projekte selbst werden immer größer. In Deutschland entsteht in der Lausitz einer der größten Batteriespeicher Deutschlands mit 1.000 Megawatt Leistung und 4.000 Megawattstunden Speichervolumen. Nach Fertigstellung soll er laut Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) rechnerisch ausreichen, um 1,6 Millionen Haushalte vier Stunden lang mit Strom zu versorgen.
Vom Akku zum Baustein des Stromsystems
Damit verändert sich auch unser Bild von der Batterie. Sie ist längst nicht mehr nur ein kleiner Energiespender für mobile Geräte. Sie wird zum Bindeglied zwischen Erzeugung und Verbrauch. Darin liegt ihre Bedeutung für ein Energiesystem, in dem Wind- und Solarenergie weiter wachsen. Die Batterie macht Energie nicht nur speicherbar, sondern ihre Nutzung zeitlich flexibler. Aus der kleinen Knopfzelle ist damit eine neue Form von Infrastruktur geworden. Und die Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen.