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Das zweite Leben der Windkraftanlagen

Wie Rückbau und Recycling von Windenergieanlagen zur strategischen Ressource für Europa werden und die Abhängigkeit von Lieferanten Seltener Erden abnimmt.

Windenergieanlagen gelten als Symbol der Energiewende. Doch mit dem technischen Lebensende vieler Anlagen rückt eine neue Frage in den Mittelpunkt: Was passiert mit den verbauten Rohstoffen? Besonders begehrt sind sogenannte Seltene Erden, die in Magneten von Generatoren eingesetzt werden. Sie sind unverzichtbar für Windkraft, Elektromobilität und zahlreiche Hightech-Anwendungen. Allerdings sind Produzenten bislang stark von Importen aus China abhängig.

Das könnte sich künftig ändern. Denn die seit den 1980-er Jahren errichteten Windkraftanlagen erreichten oder erreichen demnächst das Ende ihrer Betriebszeit. Damit steht Deutschland vor einer doppelten Herausforderung. Die Windräder müssen zurückgebaut werden und gleichzeitig werden neue, modernere gebaut, und damit wächst der Bedarf an den Rohstoffen kontinuierlich. Genau hier entsteht ein neuer Zukunftsmarkt: das Recycling von Windkraftanlagen.

Zwar konnten diese Magnete bereits seit langem wieder recycelt werden, allerdings war es nicht wirtschaftlich, weil die Arbeitszeit dafür oft zu hoch war. Von einem jungen Unternehmen in Pforzheim wurde dieses Problem gelöst und es entstand eine der ersten europäischen Recyclinganlagen für Seltene-Erden-Magnete. Dort werden Magnetwerkstoffe aus Altanlagen mithilfe wasserstoffbasierter Verfahren aufbereitet und erneut für die Herstellung leistungsfähiger Magneten genutzt. Ziel ist eine europäische Kreislaufwirtschaft für strategische Rohstoffe.

Eine neue DIN soll Einheitlichkeit schaffen

Für Betreiberinnen und Betreiber von Windparks gewinnt der professionelle Rückbau an Bedeutung. Zwar existiert in Deutschland keine bundeseinheitliche gesetzliche Rückbaupflicht. In der Praxis wird sie jedoch über Genehmigungen im Außenbereich nach § 35 Baugesetzbuch sowie Rückbauverpflichtungen und Bürgschaften abgesichert. Die Anforderungen unterscheiden sich bislang je nach Bundesland deutlich.
Mehr Einheitlichkeit soll künftig die neue DIN 4866 schaffen. Der derzeit erarbeitete Standard definiert Anforderungen für Rückbau, Demontage, Recycling und Wiederverwertung von Windenergieanlagen. Ziel ist mehr Planungssicherheit für Behörden, Betreiber und Fachunternehmen. Bereits heute gilt: Der Rückbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Aufbaus – von der Netztrennung über Rotorblätter und Turmsegmente bis hin zum Fundament. Der Umgang mit Betriebsstoffen wie Altölen oder SF6-Gasen unterliegt dabei strengen Umwelt- und Sicherheitsvorgaben.

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