In Mecklenburg-Vorpommern, konkret in der Landeshauptstadt Schwerin, soll ein Großbatteriespeicher entstehen.
Auf einer Fläche von über 3,3 Hektar will Medienberichten zufolge die Firma Faber Solartechnik aus Bünde in Nordrhein-Westfalen eine Anlage zum Speichern von Wind- und Solarstrom mit einer Kapazität von bis zu 1,63 Gigawattstunden errichten. Zudem soll ein eigenes 110 kV Umspannwerk gebaut werden. Damit könnte die Anlage in Schwerin zu einer der größten in Deutschland werden.
Dieses Projekt soll im Stadtteil Görries auf einem ehemaligen Bahngelände entstehen, das bisher für einen Solarpark gedacht war. Da sich jedoch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte der Nicht-Nutzung des Geländes dort bereits ein Wald entwickelt, hatte das Landesforstamt sich bisher gegen einen Solarpark gestellt. Einem Großbatteriespeicher dagegen würde aufgrund eines „überragenden öffentlichen Interesses“ eine Waldumwandlungserklärung in Aussicht gestellt, um den Bebauungsplan entsprechend anzupassen.
Neben der Speicherung der überschüssigen Energie, die bisher ungenutzt bliebe oder kostenpflichtig ins Ausland fließe, soll der Speicher auch Industrie versorgen sowie die Elektromobilität unterstützen, etwa um batteriegestützte Lokomotiven zu laden.
Speichertechnologie entwickelt sich rasant weiter
Und Schwerin ist als Ort dieses besonderen Projekts gut gewählt. Denn bereits 2014 ging ein 5-Megawatt-Lithium-Ionen-Speicher ans Netz, der bis dahin der größte seiner Art in Europa war. Der Berliner Netz- und Speicherspezialist Younicos konzipierte die Anlage, und der Schweriner Stromversorger WEMAG konnte damit kurzfristige Netzschwankungen ausgleichen und die Netzfrequenz stabil halten.
Hier ist deutlich zu erkennen, wie rasant sich die Technologie der Speicher entwickelt. Vor knapp zwölf Jahren lagen solche Projekte noch im einstelligen Megawattbereich und erreichen heute ein Vielfaches der Größe. Regionen mit hoher Wind- oder Solarstromproduktion könnten zu wichtigen Standorten der Speicherung werden. Denn Großbatterien sind ein entscheidender Baustein der Energiewende.
Das geplante Projekt in Schwerin verdeutlicht, wie sich die Technologie von Pilotanlagen hin zu systemrelevanter Infrastruktur entwickelt. Sollte das Vorhaben realisiert werden, könnte es ein Signal für Deutschland werden hin zu einem flexiblen, klimaneutralen Energiesystem – mit hervorragenden Aussichten, ähnlich wie bei den Anfängen der Windenergieanlagen, für Investoren.
Großbatteriespeicher erfüllen mehrere zentrale Funktionen im Energiesystem:
- Netzstabilität: Sie gleichen kurzfristige Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus.
- Lastverschiebung: Strom kann gespeichert und zu Zeiten höherer Nachfrage wieder eingespeist werden.
- Reduzierung von Netzausbau: Lokale Speicherung kann teure Infrastrukturmaßnahmen vermeiden.
- Integration erneuerbarer Energien: Überschüssiger Wind- und Solarstrom wird nutzbar gemacht.