BVT-Gründer Harald von Scharfenberg blickt auf die Anfänge seines Unternehmens im Jahr 1976 zurück und erläutert, warum persönliche Haftung, nachhaltige Konzepte und Vertrauen bis heute die Grundlage des Erfolgs der BVT bilden.
In diesem Jahr feiert BVT das 50-jährige Jubiläum. Was hat Sie damals zur Gründung des Unternehmens bewegt? Welche Idee steckte dahinter?
Harald von Scharfenberg: Eigentlich sah mein Berufsweg tatsächlich eine gänzlich andere Richtung vor. Denn als ältester Sohn in einem land- und forstwirtschaftlichen Familienbesitz befand ich mich mit meinem Landwirtschaftsstudium bereits auf einem anderen, naheliegenden Weg. Doch durch Kontakte zur Hamburger Finanzwelt erschien mir dieses Leben deutlich spannender als das Landleben. Über einen Nebenjob stieg ich als Student in den Vertrieb von Fonds ein und lernte anschließend das Bankgeschäft als Trainee bei einer Privatbank. Aufenthalte in London und den USA rundeten meine Ausbildung ab. Zurück in Deutschland, beriet ich Unternehmen und hatte so mehrfach in den USA zu tun. Bei einem meiner Aufenthalte dort traf ich den Unternehmer George Locker. Zusammen gründeten wir Mitte August 1976 sowohl in Deutschland als auch in den USA Investmentfirmen. Damit war der Grundstein von BVT gelegt. Nur ein Jahr später gründete ich ein weiteres Unternehmen und stieg damit in die Immobilienfinanzierung ein. Einen deutlichen Schub bekam meine unternehmerische Tätigkeit, als ich mit dem späteren Mini-Warehouse-Weltmarktführer Public Storage Inc. zusammen Projektentwicklungsfonds initiierte. Zum ersten Mal bot sich deutschen Investoren in Form eines geschlossenen Fonds eine Anlagemöglichkeit, über die sie bereits in der Entwicklungsphase in eine Immobilie investieren und damit von Beginn an von deren Wertschöpfung profitieren konnten. Mit Einführung dieses in Deutschland damals völlig unbekannten Immobilientyps legten wir den Grundstein unseres Erfolgs.
Welche unternehmerischen Ziele und Grundsätze waren Ihnen bei der Gründung besonders wichtig?
von Scharfenberg: Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als ich den ersten Zeichnungsschein in den Händen hielt. Es war ein beeindruckender Augenblick. Ein Mensch, der mich nicht persönlich kannte, hat mir sein Vertrauen bezüglich unseres Investitionsangebots geschenkt. Dieses Vertrauen war für mich von Anfang an Verpflichtung und Ansporn zugleich: Das anvertraute Kapital sollte möglichst sicher und nachhaltig investiert werden. Dieser Gedanke und dieser Anspruch prägte die Konzeption unserer Anlageprodukte von Beginn an. Dabei unterschieden sich USA-Beteiligungsangebote grundlegend von den damals dominierenden Verlustzuweisungsmodellen des sogenannten grauen Kapitalmarkts. Fast alle Angebote waren damals so konzipiert, dass sie mit hohen steuerlichen Verlustzuweisungen für Investoren warben. Für US-Immobilieninvestments gab es per Erlass ab Mai 1978 keine solchen Verlustzuweisungsmodelle mehr. Wir legten stattdessen bei unseren Fonds schon immer Wert auf eine klassische Finanzierung und solide Wirtschaftlichkeit. Diese konsequent konservative Ausrichtung hat uns früh Türen geöffnet – insbesondere durch meine Verbindungen zu Privatbanken. Ein wesentlicher Vertrauensfaktor war dabei sicherlich, dass ich in den ersten 20 Jahren bei mehr als 100 Fonds als persönlich haftender Gesellschafter bzw. „General Partner“ mit meinem eigenen Vermögen volle Haftung übernommen habe. Dadurch konnte sich BVT bereits in den ersten Jahren als verlässlicher Partner etablieren und eine anspruchsvolle Klientel gewinnen.
Was hat Sie später dazu bewogen, als erster Initiator für geschlossene Fonds Windparkfonds aufzulegen?
von Scharfenberg: Zum einen spielt hier die familiäre Tradition eine Rolle: Seit dem späten 19. Jahrhundert nutzt unsere Familie regenerative Energie in Form von Wasserkraft. Daher hat mich das Thema erneuerbare Energien schon sehr früh begleitet. Zum anderen waren unsere Aktivitäten in den USA prägend. Nach der ersten großen Ölkrise 1973 verabschiedete der Staat Kalifornien 1976 ein frühes Einspeisegesetz für Windenergie. Das war für mich sehr spannend, und ich habe mich gefragt, ob sich entsprechende Projekte nicht auch über geschlossene Fonds in Deutschland finanzieren ließen. Denn hierzulande wuchs Anfang der 1980er-Jahre das gesellschaftliche Bewusstsein für umweltfreundliche Energieerzeugung, und die ersten Ideen für mehr Nachhaltigkeit kamen auf. Damit entstand auch ein zunehmendes Interesse an entsprechenden Investitionsmöglichkeiten. So wurde unter dem Begriff "Umweltschutz als Kapitalanlage" der Grundstein für eine neue Anlageklasse bei BVT - und in unserer Branche - gelegt.
Was erfüllt Sie heute mit besonderem Stolz?
von Scharfenberg: Wirklich stolz bin ich darauf, dass BVT nach 50 Jahren durch Kontinuität, Integrität und verantwortungsvolle Konzeption ihrer Angebote als verlässliches und vertrauenswürdiges Unternehmen anerkannt ist – in einem Markt, der die gut ersten 40 Jahre seines Bestehens nahezu unkontrolliert war und dadurch leider zurecht aus verschiedenen Gründen keinen guten Ruf hatte. Und die schönste Bestätigung ist letztlich, dass uns Investoren und Partner über Jahrzehnte hinweg ihr Vertrauen schenken.
Nach 50 Jahren Unternehmensgeschichte: Wie sehen Sie die Zukunft von BVT?
von Scharfenberg: Ein Jubiläum ist immer ein schöner Anlass zur Rückschau, gleichzeitig aber auch für einen Blick nach vorne. Märkte, Kunden, Bedürfnisse verändern sich stetig, regulatorische Anforderungen steigen, und Nachhaltigkeit gewinnt weiter an Bedeutung. Unser Anspruch bleibt jedoch derselbe wie im Jahr 1976: solide Konzepte, transparente Strukturen und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Kapital unserer Investoren. Gleichzeitig wollen wir neue Chancen frühzeitig erkennen und wenn möglich innovative Anlageklassen erschließen. Wenn es uns gelingt, Bewährtes mit Weitblick zu verbinden, bin ich überzeugt, dass BVT auch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich gestalten kann.