Nicht nur die Unerschwinglichkeit von Wohneigentum, auch ein Kulturwandel treibt die US-Amerikaner verstärkt auf den, bereits angespannten, Mietwohnungsmarkt.
Das eigene Heim mit Doppelgarage und großzügigem Grundstück war und ist Teil des klassischen American Dream. Für die meisten US-Bürger, die bisher nicht über Wohneigentum verfügen, wird es allerdings ein Traum bleiben. Die Kaufpreise und die hohen Hypothekenzinsen addieren sich zu einer finanziellen Herausforderung, die nur wohlhabende Haushalte stemmen können.
Daryl Fairweather, Chefökonomin des Immobilienportals Redfin, warnte im vergangenen Herbst auf einem Branchentreffen gar vor einem historischen Niedergang des Eigenheimbesitzes: „Es wird in diesem Land schwerer und schwerer, den Sprung ins Wohneigentum zu schaffen.“ Eine Redfin-Studie zeigt auf, dass die Gruppe der Mieter in den USA zuletzt dreimal so stark wuchs wie die der Immobilienbesitzer.
Dass sich fundamental etwas verschiebt, konstatieren auch die Marktexperten des Joint Center for Housing Studies (JCHS) der Harvard University in ihrer kürzlich erschienen Studie „America’s Rental Housing“. Der zufolge ist die monatliche Hypothekenzahlung durchschnittlich auf 2.570 US-Dollar geklettert und entfernt sich damit immer weiter von der Medianmiete (siehe Grafik). Diese stieg zwar zwischen 2001 und 2024 um 30 Prozent, während das Medianeinkommen von Mieterhaushalten nur um 9 Prozent zulegte, verzeichnete in den letzten zehn Quartalen aber nur ein moderates Wachstum von unter 1 Prozent.
„Man braucht ein Jahreseinkommen von 126.000 Dollar, um sich ein Haus zum mittleren Marktpreis leisten zu können, und nur 15 Prozent der Mieter verfügen über ein so hohes Einkommen, ganz zu schweigen vom nötigen Eigenkapital für die Anzahlung“, stellt Chris Herbert, Managing Director des JCHS, fest. Bei einem Hauskauf müssen neben den hohen Hypothekenzinsen noch Versicherung, Grundsteuer, Instandhaltung und die Bildung einer Instandhaltungsrücklage berücksichtigt werden. Dies ist bei Mietwohnungen in der Miete inkludiert.
Auch Gutverdiener-Haushalte mieten
In der Folge drängen vermehrt Gutverdiener auf den Mietwohnungsmarkt, die in früheren Jahren ein Objekt gekauft hätten. Während die Zahl der Mieterhaushalte mit einem Einkommen von unter 50.000 Dollar in den Jahren 2014 bis 2024 stagnierte und teils zurückging, schwoll die der gut situierten Mieterhaushalte (ab 75.000 Dollar) kräftig an: von 12,2 Millionen auf 16,3 Millionen (siehe Grafik). Insgesamt wohnen damit nun mehr als 46 Millionen Haushalte zur Miete, nachdem 2025 ein Plus von 2,6 Prozent auf Jahressicht verzeichnet wurde. Die Zahl der Hauseigentümer ging hingegen um 0,1 Prozent auf gut 86 Millionen zurück. Damit liegt die Eigenheimquote laut US Census Bureau bei 65,3 Prozent – fast 4 Prozentpunkte unter ihrem Höchstwert von 2004 (69,2 Prozent). Die JCHS-Analysten erwarten, dass bis 2035 jährlich je nach Szenario zwischen 174.000 und 523.000 Mieterhaushalte hinzukommen.
Mieter schätzen Komfort und Flexibilität
Ein großer Teil der Mieter entscheidet sich bewusst für die Vorteile dieser Wohnform, darin kommt ein langfristiger Kulturwandel zum Ausdruck. In einer Federal-Reserve-Umfrage gaben 39 Prozent an, gar keinen Immobilienbesitz anzustreben. Als Vorzüge des Mietens werden vor allem Komfort und Flexibilität (58 Prozent) und das geringere finanzielle Risiko (47 Prozent) geschätzt. Außerdem zahlen zunehmend hochwertigere Apartments auf dem Markt und die meist zentralere Lage auf die Attraktivität von Mietobjekten ein.
An denen mangelt es in beliebten Ballungsgebieten jedoch chronisch, woran sich laut JCHS-Studie auch in absehbarer Zeit nichts ändern dürfte: Die Zahl der Baustarts von Mehrfamilienhäusern schrumpfte im vierten Quartal 2025 um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Nach Schätzungen des Pew Research Center fehlen bereits heute bis zu 7 Millionen Wohneinheiten in den USA. Diese sind für Projektentwickler und Investoren Stolperstein und Chance zugleich: Baugenehmigungen für gefragte Lagen sind schwierig zu bekommen, nach Erteilung aber angesichts des überschaubar bleibenden Konkurrenzangebots Gold wert.